Wissenschaftliches Symposion im Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach

06. Dezember 2016

Neue Entwicklungen in der Kardiologie und der Angiologie

Dernbach. Am letzten Novembertag veranstaltete das Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach für ärztliche Kolleginnen und Kollegen ein wissenschaftliches Symposion. Dieser Einladung folgten rund 80 u.a. Internisten, Radiologen, Anästhesisten, Kardiologen, Gynäkologen, Neurologen, Gefäßchirurgen und Allgemeinmediziner.

Schwerpunkte der Veranstaltung waren neue Entwicklungen in Kardiologie und Angiologie, da die Medizin gerade in diesen beiden Bereichen in der jüngsten Vergangenheit außerordentliche Fortschritte erfahren hat, die in der Dernbacher Klinik Anwendung finden.

Nach der Begrüßung startete Dr. René Schröder, kardiologischer Oberarzt des Herz-Jesu-Krankenhauses Dernbach, mit „Neues über neue Antikoagulantien, neue ESC Leitlinien“ das Programm. Die neuen oralen Antikoagulantien (NOAK) bieten eine sichere und etablierte Alternative zu den Vitamin-K-Antagonisten. In Zukunft wird eine Antagonisierung aller neuen oralen Antikoagulantien möglich sein. Bei eingeschränkter Nierenfunktion bietet der Vorhofohrverschluss einen Schutz vor thrombembolischen Ereignissen bei Kontraindikation zur oralen Antikoagulation.

In der Folge bezog Prof. Dr. Horst Sievert, Kardiologe im Herz-Jesu-Krankenhaus, Stellung zu der Fragestellung „Wann ist der Vorhofohrverschluss eine Alternative?“ Der interventionelle Vorhofohrverschluss mittels Occludern (LAA) gewinnt zunehmend an Bedeutung. Randomisierte Studien haben gezeigt, dass diese Methode sicher und wirkungsvoll ist. Sie ist der der Antikoagulation in Bezug auf Komplikationen deutlich überlegen. Durch den Verschluss des linken Vorhofohrs kommt es zu signifikant weniger thrombembolischen Ereignissen mit der Folge eines Schlaganfalles. Die Methode ist bereits auch in den Leitlinien als Indikation bei Patienten mit einer Unverträglichkeit von Antikoagulantien manifestiert.

Anschließend ging Dr. med. Markus Reinartz, Chefarzt der Medizinischen Klinik I im Herz-Jesu-Krankenhaus Dernhach, auf „Neue ESC Leitlinien der Herzinsuffizienz“ ein. Die neuen Leitlinien zur Herzinsuffizienz vom Mai 2016 weisen zum Einen neue Klassifikation der Herzinsuffizienz auf. So gibt es nun neben der Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF) und der Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) nun eine intermediäre Gruppe. Diese liegt mit der Pumpleistung (EF Ejektionsfraktion) zwischen 40 und 49 % und somit zwischen den beiden erstgenannten Gruppen. Diese Gruppe wird genannt: Herzinsuffizienz mid range EF (HFmr EF). Die Bedeutung dieser neuen Klassifikation wird abzuwarten bleiben.

Des Weiteren wurden neue Medikamente in der Herzinsuffizienztherapie hervorgehoben. Insbesondere die ARNI (Angiotensin Rezeptor Neprilysin Inhibitoren: Entresto) erlangen eine Klasse I in der Behandlung der Herzinsuffizienz aufgrund von guten Studienergebnissen. Aber auch Medikamente wie das Ivabradin werden weiter empfohlen. Im Bereich der CRT-Therapie werden nun Patienten, die keinen Schenkelblock über 130 msec aufweisen, für diese Methode nicht empfohlen.

Prof. Dr. med. Horst Sievert stellte „Neue Katheterverfahren zur Therapie der Herzinsuffizienz“ vor, die in der Herzinsuffizienz Anwendung finden können. Hier wurde hervorgehoben die Ventrikelrekonstruktion mit Parachute. Dabei wird ein Device ähnlich einem Fallschirm in das Aneurysma des linken Ventrikels implantiert und so die Geometrie rekonstruiert. Dies führt zu einer signifikanten Verbesserung der klinischen Symptomatik. Ein weiteres Verfahren ist das Revivent-Verfahren von Bioventrix. Hier wird durch einen Hybridansatz aus herzchirurgischem und kardiologischem Verfahren ein Verschluss des Vorderwandaneurysmas über eine kleine anterolaterale Thoracotomie in Kathetertechnik durchgeführt.

In einem Doppelvortrag informierte Dr. med. Markus Reinartz über „Neues bei der CRT“ und „Neue Konzepte: CCM und Barostimulation“. Die kardiale Resynchronisationstherapie als bekannteste der Device-Therapien im Bereich der Herzinsuffizienz findet weiteren Fortschritt durch die Herstellung verbesserter, mehrpoliger Elektroden, durch automatische Algorythmen, die die Wirkungsweise verbessern sowie eine erweiterte Indikationsstellung auch bei Patienten, die eines Schrittmachers bedürfen und bei schon bestehender Herzinsuffizienz einen hohen zu erwartenden Stimulationsanteil haben. Neben der CRT-Therapie gibt es aber auch eine neue Devices zur Behandlung der Herzinsuffizienz. Zum einen die kardiale Kontraktionsmodulation (CCM), welche durch eine Stromapplikation im Bereich des rechtsventrikulären Septums in der Refraktärphase des Herzzyklus biochemische Vorgänge positiv beeinflusst, insbesondere die Kalziumpumpe reaktiviert, die in der Herzinsuffizienz supprimiert ist. Dies führt im Idealfall zu einem Reverse-Remodelling des linken Ventrikels und zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Neu ist, dass dieses System nun auch bei Patienten mit Vorhofflimmern implantiert werden kann, was die Indikationsgruppe deutlich erweitert. Das erste System weltweit dieser Art wurde im Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach am 09.11.2016 implantiert.

Des Weiteren steht mit der Barorezeptorstimulation ein Herzinsuffizienz-Schrittmacher zur Verfügung, der über einen Mechanismus wirkt, der Stromimpulse im Bereich der Barorezeptoren in der Carotisgabel appliziert. Hierüber kommt es zu einer Verringerung des Sympathotonus und einer Steigerung des Parasympathotonus über afferente und efferente Leitungsbahnen. Diese Therapie wirkt auf viele Organe im Sinne einer Verbesserung der Organperfusion, einer besseren ventrikulären Füllung durch milde Bradykardisierung, eine Vasodilatation und eine verringerte Wasserretention.

Die Studienergebnisse weisen auch für dieses Device eine deutliche Besserung der Herzinsuffizienzsymptomatik aus. Es stehen somit zusammengefasst 3 Device-Therapien zur Behandlung unserer herzinsuffizienten Patienten zur Verfügung.

Anhand von „Fallbeispielen komplexer Interventionen bei strukturellen Herz- und Gefäßerkrankungen“ stellte Prof. Dr. med. Horst Sievert sogenannte Kolibris in der interventionellen Kardiologie vor. Insbesondere der interventionelle Verschluss paravalvulärer Lecks nach chirurgischem Klappenersatz rückt weiter in den Fokus. Das Verfahren kann zunehmend sicher und effizient durchgeführt werden. Auch gibt es neue Verschlussdevices für komplexe angeborene Herzfehler im Sinne von Sinus-venosus-Defekten.

In einem gemeinsamen Vortrag stellten Dr. Ralph Wickenhöfer, Chefarzt der Klinik für Radiologie, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin, und Dr. Wolfgang Lante, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, „Die endovaskuläre Therapie komplexer Aortenläsionen“ vor. Der Fokus lag hierbei auf der endovaskulären Versorgung von suprarenalen Aortenaneurysmen, die alle Visceralgefäße miteinbeziehen.

Dr. Wickenhöfer berichtete über die modernen Möglichkeiten der CT-Diagnostik incl. 3 D-Rekonstruktion, die heute eine individuelle Herstellung und Anpassung der Prothese auf die Anatomie des jeweiligen Patienten zulässt. In der Nachsorge nach Eingriff stellt die Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittelgabe (CEUS) eine nicht-invasive Untersuchungsform dar, für die das Herz-Jesu-Krankenhaus in der Region ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.

Dr. Lante berichtete über die speziellen Verfahren im Rahmen der endovaskulären Aneurysmaausschaltung. Hierbei zeigte er die Vorgehensweise der Sondierung und Gefäßschienung der Visceralarterien über die linke Achselarterie nach Einbringen des Hauptkörpers. Dr. Lante erläuterte im Rahmen der postoperativen Nachsorge und Komplikationsbehandlung über ein vollkommen neuartiges Verfahren zur transcutanen Unterspritzung von Endoleaks des Typ II. Hierbei handelt es sich um eine 3 D-navigierte Ultraschalluntersuchung, in der die vorhandenen CT-Bilder mit den Lifebildern der Ultraschalluntersuchung synchronisiert werden und ein gezieltes Aufsuchen von Lumbalarterien im Aneurysmasack möglich macht, die dann mittels Spezialkleber verschlossen werden können. Auch dies ist ein Verfahren, das in der Region erstmals im Herz-Jesu-Krankenhaus durchgeführt wurde.

 

 



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